Wenn Gleichberechtigung nicht das ist, was wir suchen
Shownotes
Im Podcast erwähnte Literatur & Ressourcen:
Erich Fromm – Die Furcht vor der Freiheit (Über das Bedürfnis nach Entlastung von unbegrenzter Autonomie)
Esther Perel – Was Liebe braucht / Orig.: Mating in Captivity (Über erotische Polarität, Raum und Distanz in Beziehungen)
John Bowlby – Bindung als sichere Basis (Zur Bindungstheorie und emotionalen Orientierungspunkten)
Weiterführende Links:
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Transkript anzeigen
00:00:02: Willkommen bei Commandress, FLR, Femdom und Beziehung.
00:00:07: Dies ist die Audioversion des Artikels «Wenn Gleichberechtigung nicht das ist was wir suchen» vom Zauber-und den Tücken gelebter Hierarchien.
00:00:17: Eingesprochen für alle, die lieber hören stattlesen!
00:00:23: Wenn Gleichberechigungen nicht das isst was wir such'n – vom Zaurer und den Tückern gelebte Hierarchie.
00:00:31: Als allererstes vorab Ich bin eine absolute und unumstößliche Verfechterin des Rechts auf Gleichberechtigung, persönlicher Freiheit und eigenständige Entscheidung.
00:00:43: Für alle!
00:00:44: Allerdings weiß ich auch, dass sich das nicht jeder Mensch in seiner Partnerschaft immer und unter allen Umständen so wünscht – und auch auf die Entscheidung zum freiwilligen Machtgefälle haben wir für uns persönlich durchaus ein
00:00:58: Recht.".
00:01:00: Wir erleben eine Zeit in der Partnerschaftlichkeit und Gleichstellung aus gutem Grund bei vielen ganz oben auf der Agenda stehen.
00:01:09: Wir verhandeln und besprechen Haushaltsbudget, Urlaubsziele den Abwaschplan und wer wann am Wochenende für die Kinder aufsteht.
00:01:17: Alles soll auf Augenhöhe sein – fair demokratisch abgestimmt!
00:01:22: Verständlicherweise.
00:01:25: Und trotzdem gibt es da dieses Phänomen, über das sehr wild und nicht selten mit heftigen persönlichen Meinungen diskutiert wird.
00:01:34: Menschen die sich in ihrer Beziehung genau des Gegenteils von Demokratie wünschen – nämlich eine ganz klare Aufteilung in Führung und Geführt werden.
00:01:45: Ein freiwilliges Machtgefälle!
00:01:47: Eine Gleichwertigkeit ohne Gleichberechtigung Hier die einzige Gewissheit, die ich in diesem Thema für mich gefunden habe.
00:01:57: Es gibt kein Beziehungskonzept das grundsätzlich für alle Partnerschaften funktionieren kann.
00:02:03: Menschen sind Individuen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Ängsten und Fähigkeiten – und in unterschiedlichen Konstellationen funktioniert eben Unterschiedliches.
00:02:15: Alles was jetzt kommt ist deshalb eine Einladung zum Verstehen, keine Anleitung zum Glücklichwerden!
00:02:23: Auch soll das hier kein moralisches Plädoyer für verstaubte Rollenbilder und erst recht keinen Schritt-für-Schritt Ratgeber für den Thread Vive Beziehungsalltag sein oder für die FLR.
00:02:34: Es soll vielmehr ein neugieriger Blick hinter die Kulissen der menschlichen Psyche werden, denn wer versteht warum sich manche Menschen – nicht alle, nicht ein bestimmtes Geschlecht – nach Führungsehnen und andere darin aufgehen zu führen lernt erstaunlich viel über die geheimen Wünsche die wir manchmal doch in uns tragen können.
00:02:57: Wir alle treffen womöglich jeden Tag hunderte Entscheidungen, welcher Job hat Priorität?
00:03:03: Wie lösen wir den Konflikt fair im Team?
00:03:06: Welcher Stromanbieter ist der günstigste?
00:03:08: Ist diese E-Mail wichtig?
00:03:11: Dein Kopf läuft auf Hochtouren – Tag für Tag!
00:03:14: Und am Abend heißt es dann in der Partnerschaft Was wollen wir eigentlich kochen?
00:03:19: Mir egal was willst
00:03:20: du?!
00:03:21: Genau hier beginnt für viele der emotionale Gewinn der Machtabgabe.
00:03:25: Psychologen nennen die ständige Überforderung durch all die Entscheidungen Decision-Vertieg.
00:03:31: Wer im Alltag permanent die Verantwortung tragen muss, empfindet die bewusste Hingabe an eine führende Hand oft nicht als Einbuße von Freiheit sondern als Erholung pur.
00:03:43: Bei manchen ist es aber auch umgekehrt.
00:03:46: Ich habe die Wote Menschen kennengelernt, deren Leben ansonsten ein einziges Chaos war und die sich gerade deshalb sehenließt nach Führung und klaren Regeln von Außensehnten.
00:03:57: Woher der Wunsch im Einzelfall kommt, lässt sich nicht Pauschal sagen – nur dass er da ist!
00:04:06: Es ist ein seltener Luxus für einen Moment, die Habachtstellung des Gehirns komplett auszuschalten.
00:04:12: Wenn klar ist das jemand anderes den Rahmen hält, und am Ende die Entscheidung trifft, kann ein tiefes Gefühl von Geborgenheit entstehen.
00:04:23: Erich Formen beschrieb dieses Phänomen bereits in seinem Klassiker «die Furcht vor der Freiheit».
00:04:30: Die absolute unbegrenzte Autonomie kann den Menschen zutiefst verunsichern.
00:04:35: Die bewusste Abgabe von Kontrolle ist insofern oft kein Rückschritt sondern eine hoheffektive Strategie um im privaten Raum wieder zu Kräften zu
00:04:45: kommen.".
00:04:46: Vorausgesetzt, sie wird verantwortungsbewusst gelebt und klar kommuniziert.
00:04:52: Und das zu wollen hat ganz definitiv nichts mit Schwäche zu tun!
00:04:58: Wer glaubt die führende Person in einer solchen Dynamik suche schlicht nach egoistischer Dominanz, greift meist zu kurz.
00:05:06: Die Motivation liegt oft an einem ganz anderen Ort – im Wunsch nach Struktur- und Führsorge.
00:05:13: Führung zur Übernehmen erfordert Energie und die Bereitschaft Verantwortung für zwei zu tragen.
00:05:20: Und vielleicht sogar für ein gesamtes Beziehungskonstrukt?
00:05:24: Für viele Führende entspringt dieser Wunsch auch einem tiefen Beschützerinstinkt.
00:05:30: Führung wird nicht selten als eine Form von Zuwendung gelebt – als Act of Service!
00:05:37: Man nimmt den Partner Steine aus dem Weg, schafft Ordnung im Chaos und baut eine verlässliche Burg in der sich beide sicher bewegen können….
00:05:45: Dadurch fühlt man sich dann selbst auch oftmals durchaus sicherer in der eigenen Partner-Innenrolle.
00:05:53: Zudem befriedigt das Gestalten der Beziehung die eigene Wirksamkeit und Relevanz, es fühlt sich stimmig und richtig an Ordnung zu stiften und dem gemeinsamen Leben eine klare Richtung zu geben – anstatt im ewigen Kompromissum verstecken zu bleiben!
00:06:10: Diese Anziehung wird aber nicht symmetrisch bewertet.
00:06:13: Interessanterweise wird es, in meiner Erfahrungswelt viel gelassener genommen wenn Männer freiwillig und zu Vareen diese spezifische Rolle der für sorglichen Führungskraft einnehmen.
00:06:25: Wollen Frauen in Beziehungen führen?
00:06:27: So wird ihnen gerne eine gewisse egoistische Kälte regelrecht abverlangt – und gleichzeitig ablehnt unterstellt!
00:06:35: Besonders spannend finde ich das im Hinblick darauf dass freiwillig folgenden Männern viel eher schwäche angedichtet wird als devoten Frauen, den man im Gegenzug dazu auf vielen Plattformen predigt – Hingabe sei Stärke.
00:06:50: In meinen Augen ist beides vollkommen unsinnig!
00:06:53: Wir können alle genau so sein wie es sich für uns richtig anfühlt.
00:06:58: Unabhängig von unserem Geschlecht.
00:07:01: Es gibt nur einen weiteren Grund warum Paare mit klar verteilten Rollen oft eine ganz eigene Dynamik entwickeln Spannung entsteht durch Gegensätze.
00:07:12: Wenn in einer Beziehung alles vollkommen symmetrisch verhandelt wird, schleicht sich schnell eine Art Kumpelgefühl ein.
00:07:19: Wir werden zu perfekt eingespielten Geschäftspartnern der eigenen Lebens AG Zu einer Art enorm teamfähiger Wundgemeinschaft.
00:07:28: Das ist im Alltag wohl sehr praktisch Lässt aber oft die erotische Anziehung erhalten.
00:07:36: Die Partherapeutin Esther Perel beschreibt es in ihrem Bruch was Liebe braucht, im Original Mating in Captivity eindrücklich.
00:07:45: Leidenschaft braucht Raum, Distanz und eine gewisse Unberechenbarkeit.
00:07:51: Ein konsensuales Machtgefälle baut diese Polarität künstlich – und liebevoll wieder auf!
00:07:58: Das Spiel mit Führung und Hingabe macht und vertrauen zieht seine Kraft aus dem Bewusstsein das eben nicht beide Seiten zu jedem Zeitpunkt dasselbe
00:08:08: tun.".
00:08:11: Für mich ganz persönlich gehe ich sogar so weit zu sagen, dass ich mir erotische Spannungen ohne ein DS-Gefüge gar nicht mehr vorstellen kann.
00:08:20: Auch brauche ich das Wissen um die beidseitig gewollte Partnerschaftserarchie und mich in einer Beziehung rundum wohl akzeptiert und geborgen zu fühlen.
00:08:30: Natürlich ist mir dabei bewusst, dass sich womöglich einen Extremfall binden – aber auch das ist vollkommen okay!
00:08:39: Neben der Entlastung im Alltag und der erotischen Spannung gibt es noch ein tiefes, oft unbewusstes Bedürfnis das durch eine klare Machtdynamik gestillt werden kann.
00:08:50: Das verlang nach gefüllter absoluter emotionaler Sicherheit.
00:08:57: In modernen hoch flexiblen Beziehungen schwingt oft die leise aber sehr reale Angst mit nicht zu genügen immer neu verhandeln zu müssen oder plötzlich einfach ersetzt werden zu können.
00:09:09: Wenn alles schwimmt, fehlen dem Nervensystem manchmal die Orientierungspunkte.
00:09:14: Ein bewusst gewähltes Machtgefälle wirkt hier wie ein stabiler Rahmen in einer stürmischen Welt und das kann – ich sage es aus eigener Erfahrung – richtig gut tun!
00:09:28: Für den geführten Part bedeuten klare Regeln und verlässliche Führung eine Form von emotionaler Absicherung.
00:09:36: Es entsteht das Gefühl jemand hat hier alles im Griff.
00:09:40: Ich muss nichts erahnen, nicht ständig um meine Position kämpfen oder Angst haben ins Bodenlose zu fallen.
00:09:48: Die Klarheit der Rollen nimmt der Verlustangst den Nährboden weil die Grenzen und Erwartungen explizit gesteckt sind – und das ist ziemlich viel wert!
00:10:00: Für den führenden Part wiederum gibt die Verantwortung des brugende Gefühl von Bedeutung und einer gewissen Unersetzbarkeit.
00:10:10: Das Gegenüber vertraut einem die eigene Souveränität an, ein Vertrauensbeweis der tief verwurzelte Bindungsengste durchaus besenftigen kann.
00:10:22: Der Psychoanalytiker John Bolby prägte in seiner Bindungstheorie den Begriff der sicheren Basis.
00:10:30: Eine funktionierende Hierarchie in der Partnerschaft kann genau diese Basis sein Ein klar abgestecktes Spielfeld auf dem beide genau wissen, wo sie stehen und sich gerade deshalb nicht ständig fragen müssen ob der andere morgen noch da ist.
00:10:48: Man sieht das oft an vermeintlich eher banalen Alltagssituationen.
00:10:53: Statt drei Stunden lang genervt zu verhandeln wer dieses Wochenende endlich die Hecken schneidet oder die Finanzen sortiert gibt es eine klare Absprache.
00:11:02: Eine oder einer hat in diesem Lebensbereich das letzte Wort.
00:11:07: Was auf den ersten Blick unromantisch klingt, nimmt enorm viel Schärfe aus der Beziehung.
00:11:13: Es gibt kein langes Taktieren oder die Sorge nachzugeben – die Spielregeln stehen fest und genau das schafft paradoxerweise Frieden!
00:11:25: Wo viel Licht ist fallen bekanntermaßen auch tiefe Schatten.
00:11:29: Eine Beziehungen mit klarer Hierarchie ist wie ein Hochseilakt extrem faszinierend aber ohne Absicherung nicht ungefährlich.
00:11:40: Wer die Führung abgibt, läuft Gefahr mit der Zeit auch den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen zu verlieren.
00:11:47: Aus gesunder Hingabe kann schleichend eine Bequemlichkeit werden, die in die Hilflosigkeit führt – noch gravierender.
00:11:56: wenn das Vertrauen missbraucht wird oder der Mut oder die Möglichkeit fehlt ein deutliches Stopp zu artikulieren kippt eine liebevolle Struktur schnell in Grenzverletzung oder toxische Abhängigkeit.
00:12:12: Wer führt, trägt die Last!
00:12:15: Die ständige Verantwortung für das Wohl des Gefügges kann zu einer enormen mentalen Erschöpfung führen – zudem lauert hier auch die Falle der Selbstherlichkeit.
00:12:25: Wenn Entscheidungen nie hinterfragt werden dürfen, verliert man womöglich leicht den Blick für das Gegenüber auf Augenhöhe.
00:12:34: Führungskräfte in Beziehung laufen Gefahr zu einsamen Managern genervten Mutterersatz oder rein funktionalen Aufgabengebern zu werden, anstatt geliebte Partner zu bleiben.
00:12:48: Dem sollte man ganz bewusst und gemeinsam entgegenwirken.
00:12:54: Auch wenn das hier nicht jeder gerne hören wird – am Ende bleibt eine Beobachtung die wir uns ganz bewusst machen sollten!
00:13:03: In einer freiwilligen Hierarchie existiert letztendlich keine wirkliche einseitige Macht.
00:13:09: Zwar erteilt die geführte Person der Führenden erst das Mandat, doch genauso erfordert es die ständige aktive Bereitschaft der führende Person diese Verantwortung überhaupt tragen zu wollen.
00:13:22: Das Gefüge hält nur so lange beide Seiten ihr Ja zur ihrer jeweiligen Rolle ständig erneuern und nur so bleibt es gesund!
00:13:33: Und genau da legt die Basis für eine gesunde Beziehung mit Machtgefälle im gegebenen beidseitigen Konsens und dem Wissen um dessen Wiederrufbarkeit.
00:13:46: Nicht jeder Devote oder dominante Mensch profitiert von einem Machtgefälle – und schon gar nicht auf die gleiche Weise!
00:13:54: Wer es aber tot für den gilt, vielleicht geht es bei der Suche nach Machtgefällen gar nicht darum wer oben oder unten steht sondern um die ehrliche Erkenntnis dass wir nicht in allen Lebensbereichen vollkommen unabhängig sein müssen und eben sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten haben.
00:14:15: Manchmal liegt die größte Freiheit schlicht darin, sich für einen Moment fallen zu lassen in die Arme von jemanden der weiß wohin die Reise geht oder darin freiwillig derjenige zu sein, der gerne diese große Verantwortung tragen möchte – und kann!
00:14:36: Das war der Artikel Wenn Gleichberechtigung nicht das ist was wir suchen Vom Zauber und den Tücken gelebter Hierarchien.
00:14:45: Geschrieben und gesprochen von mir!
00:14:51: Vielen Dank fürs zuhören, alle Texte Artikel und den Blog zum Podcast findest du jederzeit auf Commandress.de Und alle informativen Links natürlich in den Show Notes.
00:15:03: Bis zum nächsten Mal.
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